9. Juni 2026

    Warum Chaos im Lymphknoten das Wachstum von Krebs fördern kann

    #DKTK

    Lymphknoten sind hochorganisierte Kommandozentralen des Immunsystems. Bei aggressiven Formen des Lymphdrüsenkrebses (Lymphom) bricht diese Ordnung jedoch zusammen: Die räumliche Organisation der Immunzellen geht verloren. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) hat nun entschlüsselt, warum bestimmte Lymphome die Gewebearchitektur zerstören und welche Folgen dies für den Krankheitsverlauf hat.

    In den Lymphknoten haben unterschiedliche Immunzelltypen ihren festen Platz. Diese präzise Organisation ist entscheidend für eine wirksame Immunantwort. Wird sie gestört, kann die koordinierte Abwehr von Krankheitserregern und Tumorzellen erheblich beeinträchtigt werden.
    Während die Struktur des Lymphknotens bei manchen Lymphomformen weitgehend erhalten bleibt, bricht sie bei anderen – insbesondere bei aggressiven Subtypen – vollständig zusammen. Diese unterschiedlichen Gewebemuster werden von Patholog*innen seit Jahrzehnten diagnostisch genutzt. Warum bestimmte Lymphome die Architektur des Lymphknotens zerstören und welche Bedeutung dies für die Krankheitsentwicklung hat, war bislang jedoch unklar.

    Ein internationales Forschungsteam hat dieses Rätsel nun gelöst. Mithilfe hochauflösender Einzelzell- und räumlicher Analysen kartierten die Forschenden die Architektur von Lymphknoten bei Patient*innen mit unterschiedlichen Lymphom-Subtypen. Dabei verglichen sie Gewebeproben mit erhaltener und mit zerstörter Lymphknotenstruktur.

    „Diese Technologien ermöglichen es uns, molekulare, zelluläre und räumliche Veränderungen präzise nachzuvollziehen“, sagt Dr. Lea Jopp-Saile, eine der Erstautorinnen der Studie und Wissenschaftlerin in Haas' Arbeitsgruppe.

    Das Ergebnis der Analyse: Seltene Stromazellen – spezialisierte Stützzellen, die den Lymphknoten wie ein feines Netzwerk durchziehen – sind maßgeblich für die Organisation der Immunzellen verantwortlich. In gesunden Lymphknoten fungieren sie als „Dirigenten“ des Immunsystems, indem sie mithilfe von Botenstoffen Immunzellen in definierte Bereiche lenken. In besonders aggressiven Lymphomen ist diese Dirigentenfunktion jedoch tiefgreifend gestört.

    Ein entzündlicher Teufelskreis

    Beim Versuch, den Tumor zu bekämpfen, produzieren T-Zellen entzündungsfördernde Botenstoffe. Diese programmieren die Signalproduktion der Stromazellen um. Dadurch verlieren die Zellen ihre strukturgebende Funktion, und die Gewebearchitektur des Lymphknotens bricht zusammen.

    Der Verlust der Struktur ist damit kein passiver Nebeneffekt des Tumorwachstums, sondern wird aktiv durch Entzündungsprozesse in der Tumorumgebung vorangetrieben. Analysen großer Patient*innenkohorten zeigen zudem, dass diese Umprogrammierung der Stromazellen mit einer deutlich schlechteren Prognose verbunden ist.

    „Wir vermuten, dass der Tumor durch die aktive Zerstörung der Lymphknotenstruktur das lokale Immunsystem schwächt, das ihn eigentlich bekämpfen sollte, und so sein eigenes Wachstum begünstigt“, sagt Dr. Felix Czernilofsky, ebenfalls Erstautor der Studie.

    „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Stabilisierung der Stromazellen oder eine gezielte Modulation entzündlicher Signale ein vielversprechender neuer Therapieansatz sein könnte“, sagt Professor Sascha Dietrich, Klinikdirektor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Darüber hinaus könnten die identifizierten Mechanismen helfen, neue Biomarker zu entwickeln, um aggressive Krankheitsverläufe frühzeitig zu erkennen.“

    Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Cancer“ veröffentlicht.

    Quelle: DKTK

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    Bei aggressiven Lymphomen bricht die Ordnung im Lymphknoten zusammen. Forschende zeigen, wie Entzündungsprozesse die Gewebearchitektur zerstören, das Immunsystem schwächen und so das Tumorwachstum begünstigen können. | © magnific.com