Viren gegen Bakterien: EU fördert Phagentherapie mit 15 Millionen Euro
Bakterien werden zunehmend resistent gegen Antibiotika. Eine Alternative ist die Behandlung mit sogenannten Phagen – Viren, die ausschließlich Bakterien befallen und gezielt abtöten. In einer europaweiten Studie mit Patientinnen und Patienten, die unter wiederkehrenden Harnwegsinfektionen leiden, wollen Forschende des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) nun erstmals untersuchen, ob sich der Kreislauf aus Infektion, Antibiotikabehandlung und erneuter Infektion durchbrechen lässt. Dazu testen sie die Kombination aus Phagentherapie und Wiederherstellung des Darmmikrobioms.
Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen weltweit. Jährlich erkranken mehr als 400 Millionen Menschen daran. Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Betroffenen treten die Infektionen wiederholt auf. Gleichzeitig nimmt die Zahl antibiotikaresistenter Erreger zu, sodass herkömmliche Therapien zunehmend an ihre Grenzen stoßen.
Hier setzt das Forschungsprojekt REPhRAME an. Das von der Universitätsmedizin Frankfurt koordinierte Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Maria J. G. T. Vehreschild untersucht erstmals in einer großen randomisierten klinischen Studie einen zweistufigen Behandlungsansatz: Zunächst sollen Phagen – Viren, die gezielt Bakterien abtöten – die Krankheitserreger bekämpfen. Anschließend wird die Darmflora wiederhergestellt, um erneute Infektionen zu verhindern.
Neue Strategie gegen einen Teufelskreis aus Infektion und Antibiotikaeinsatz
Im ersten Schritt erhalten die Patientinnen und Patienten eine Phagentherapie. Zum Einsatz kommt SNIPR001, ein mithilfe der CRISPR-Technologie entwickelter Phagencocktail, der gezielt gegen bestimmte Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli wirkt – den häufigsten Auslöser von Harnwegsinfektionen. Da Phagen ausschließlich bestimmte Bakterien infizieren, bleiben nützliche Mikroorganismen weitgehend erhalten. Gleichzeitig soll das Risiko für weitere Antibiotikaresistenzen verringert werden.
Anschließend soll das natürliche Darmmikrobiom wiederhergestellt werden. Dazu wird INTESTIFIX 001 der Cologne Microbiota Bank eingesetzt. Das Präparat überträgt Darmbakterien gesunder Spenderinnen und Spender, um das mikrobielle Gleichgewicht im Darm zu stabilisieren und den Körper langfristig besser vor erneuten Harnwegsinfektionen zu schützen.
Im Rahmen der Studie vergleichen die Forschenden drei Behandlungsstrategien: eine Phagentherapie allein, die Kombination aus Phagen und Antibiotika sowie die Kombination aus Phagentherapie und anschließender Wiederherstellung des Darmmikrobioms. Untersucht werden sowohl die Sicherheit als auch die Wirksamkeit der verschiedenen Ansätze.
Die Europäische Union fördert das auf fünf Jahre angelegte Projekt mit 15 Millionen Euro aus dem Forschungsprogramm Horizon Europe. REPhRAME startete im Juni 2026 und vereint Partnerinnen und Partner aus mehreren europäischen Ländern. Ziel ist es, neue Therapieoptionen für Menschen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen zu entwickeln und gleichzeitig den Einsatz von Antibiotika nachhaltig zu reduzieren.
Quelle: DZIF


Harnwegsinfektionen sind lästig und schmerzhaft – und bei vielen Betroffenen verlieren Antibiotika zunehmend ihre Wirksamkeit. Forschende untersuchen deshalb, ob sich der Kreislauf aus Infektion, Antibiotikabehandlung und erneuter Erkrankung durchbrechen lässt: mit einer Therapie, die gezielt Bakterien bekämpft – der Phagentherapie.| Bild: KI-generiert mit ChatGPT








