20. Juni 2022

Auszeichnung für wegweisende Tuberkulose-Forschung

Renommierter Forschungspreis geht an Forschende aus zwei DZG

Der diesjährige Forschungspreis für Klinische Forschung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) ging an eine dreiköpfige Forschergruppe aus zwei Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Maja Reimann und Prof. Jan Heyckendorf vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie Dr. Sebastian Marwitz vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) entwickelten einen Algorithmus, der mit hoher Genauigkeit die notwendige Dauer einer Tuberkulose-Therapie anzeigen kann.

Den mit 10.000 Euro dotierten DGP-Preis für Klinische Forschung teilen sich Maja Reimann und Prof. Jan Heyckendorf vom DZIF sowie der DZL-Wissenschaftler Dr. Sebastian Marwitz für die Entwicklung einer Methodik zur besseren Steuerung der Tuberkulose-Therapie. Gemeinsam mit einem großen internationalen Team aus Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen unter Koordination des Klinischen Tuberkulosezentrums im DZIF konnten die drei Forschenden einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der personalisierten Tuberkulose-Therapie leisten.

Gegenwärtig empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO eine standardisierte Dauer der Tuberkulosebehandlung von mindestens 18 Monaten, die mit hohen Kosten sowie einem hohen Risiko für Nebenwirkungen verbunden ist. Mit ihren am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum durchgeführten Arbeiten suchten die Forschenden nach einer Antwort auf die Frage, wie das Ansprechen auf die Therapie und damit deren wahrscheinlich notwendige Dauer vorhergesagt werden kann.

In einem großangelegten klinischen Forschungsprojekt konnte das Team in Blutproben von Patient:innen aus vielen tausend Genen 22 identifizieren, die mit dem Ansprechen auf Therapien korrelieren und anzeigen, ob ein Patient oder eine Patientin wahrscheinlich geheilt ist. Das Team validierte diesen neugefundenen Biomarker – die Gensignatur – in verschiedenen Kohorten bestehend aus insgesamt rund 200 Patient:innen.

Dank ihrer in der renommierten Fachzeitschrift European Respiratory Journal vorgestellten Erkenntnisse* könnte es künftig mit Hilfe eines einfachen Bluttests möglich sein, bei Tuberkulose-Patient:innen das Ansprechen auf die Therapie und die notwendige Therapiedauer individuell vorherzusagen.

 

*Publikation der Ausgezeichneten

Heyckendorf J, Marwitz S, Reimann M, Avsar K, DiNardo AR, Günther G, Hoelscher M, Ibraim E, Kalsdorf B, Kaufmann SHE, Kontsevaya I, van Leth F, Mandalakas AM, Maurer FP, Müller M, Nitschkowski D, Olaru ID, Popa C, Rachow A, Rolling T, Rybniker J, Salzer HJF, Sanchez-Carballo P, Schuhmann M, Schaub D, Spinu V, Suárez I, Terhalle E, Unnewehr M, Weiner J 3rd, Goldmann T, Lange C. Prediction of anti-tuberculosis treatment duration based on a 22-gene transcriptomic model. Eur Respir J. 2021 Sep 2;58(3):2003492. doi: 10.1183/13993003.03492-2020.

Quellen:

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. vom 26.05.22.

Pressemitteilung des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum vom 27.05.2022.

Pressemitteilung des Airway Research Center North (ARCN) vom 31.05.22.

 

Weitere Quellen und Literaturhinweise:

DZIF-Pressemitteilung zur Publikation: „Tuberkulose: Wann kann man eine Behandlung mit Erfolge beenden“ vom 18.02.2021.

Hintergrundartikel im DZG-Magazin SYNERGIE “Passgenau gegen Tuberkulose” aus der Ausgabe #2|2021.

Webseite des Klinischen Tuberkulose-Zentrums im DZIF

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