Typ-1-Diabetes wurde lange vor allem mit dem Kindesalter in Verbindung gebracht. Inzwischen gilt als gesichert, dass sich die Krankheit ebenso im Jugend- und Erwachsenenalter entwickeln kann. Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) schließen nun eine Forschungslücke: In einer großen Studie mit Daten aus der Bevölkerung untersuchten sie, wie häufig frühe Anzeichen von Typ-1-Diabetes bei jungen Erwachsenen vorkommen. Damit wird eine bisher wenig untersuchte Altersgruppe besser verstanden.
Typ-1-Diabetes ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Die bevölkerungsweite Kohortenstudie des Instituts für Diabetesforschung und des Instituts für Epidemiologie von Helmholtz Munich liefert wichtige Erkenntnisse zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei jungen Erwachsenen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal The Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlicht.
Die Forschenden untersuchten Blutproben von 1.377 Teilnehmenden aus den Langzeitstudien LISA und GINIplus, die ihre Proband:innen von der Geburt an bis ins junge Erwachsenenalter begleiten. Die Teilnehmenden wurden dabei bis zu einem Alter von 25 Jahren regelmäßig untersucht.
Dabei wurden sogenannte Inselautoantikörper analysiert, Eiweißstoffe, die das Immunsystem gegen die insulinproduzierenden Zellen bildet. Etwa 1,2 Prozent der jungen Erwachsenen, deren Diabetes bisher nicht diagnostiziert war, wiesen diese Marker auf. 0,2 Prozent erfüllten bereits die Kriterien für ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes, weitere 1,0 Prozent hatten nur einen einzelnen Autoantikörper. Längsschnittanalysen zeigten, dass viele dieser Marker bereits bis zum Alter von 15 Jahren entstanden, aber auch danach neue Fälle auftraten.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Typ-1-Diabetes nicht nur eine Kinderkrankheit ist, sondern dass frühe immunologische Veränderungen auch bei jungen Erwachsenen auftreten. Das spricht dafür, bestehende Screeningprogramme, die bisher vor allem auf Kinder ausgerichtet sind, auf Jugendliche und junge Erwachsene auszuweiten. Ein frühzeitiges Erkennen kann helfen, die Erkrankung rechtzeitig zu behandeln und gesundheitliche Folgen zu verringern.
Quelle: DZD
Forschende am Standort Mannheim–Heidelberg-Ulm des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) haben Hinweise darauf gefunden, dass bei Menschen mit Post-COVID der Energiestoffwechsel im Gehirn messbar verändert ist. Die Untersuchung zeigt: Bei Betroffenen ist das Verhältnis wichtiger Energieträger im Gehirn gestört.
Schätzungen zufolge entwickeln etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen nach einer SARS-CoV-2-Infektion ein Post-COVID-Syndrom. Neben Erschöpfung und Schlafproblemen berichten viele Betroffene über anhaltende kognitive Beschwerden, die Alltag und Beruf deutlich beeinträchtigen können. Die Ursachen sind bislang nicht ausreichend verstanden. Eine zentrale wissenschaftliche Hypothese lautet, dass eine Störung der Energiebereitstellung an den Beschwerden beteiligt sein könnte
Um dieser Frage nachzugehen, nutzte das Studienteam in der NEULOCO-Studie eine spezielle Variante der Magnetresonanztomografie (MRT): die Phosphor-Magnetresonanzspektroskopie (31P-MRS). Mit diesem Verfahren lassen sich im Gehirn energiereiche Phosphate messen, die für den Zellstoffwechsel entscheidend sind. Im Fokus standen Adenosintriphosphat (ATP) als zentraler Energieträger sowie Phosphokreatin (PCr) als kurzfristiger Energiespeicher, der ATP rasch nachliefern kann. „Mit 31P-MRS lassen sich Veränderungen der Energiebereitstellung im lebenden Gehirn sichtbar machen“, erklärt Prof. Dr. Gabriele Ende, Leiterin der Core Facility ZIPP am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI).
Für die Analyse wurden 27 Post-COVID-Patientinnen und -Patienten sowie 23 Kontrollpersonen untersucht, die nach SARS-CoV-2-Infektion vollständig genesen waren. Neben der Untersuchung absolvierten alle Teilnehmenden kognitive Tests, deren Ergebnisse mit den Stoffwechselmessungen verglichen wurden.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei Menschen mit Post-COVID ATP im Verhältnis zu PCr reduziert ist. Das spricht dafür, dass die Bereitstellung von Energie für den Zellstoffwechsel im Gehirn beeinträchtigt sein könnte. Die Veränderungen zeigten sich im Bereich um den cingulären Cortex – eine Hirnregion, die unter anderem an der Steuerung und Organisation von Denkvorgängen beteiligt ist. „Wir sehen einen Zusammenhang zwischen Energiemarkern im vorderen cingulären Cortex und der kognitiven Leistung. Das deutet darauf hin, dass eine gestörte Bereitstellung von Energie in dieser Hirnregion zu den Denk- und Konzentrationsproblemen bei Post-COVID beitragen könnte“, sagt Dr. Claudia Schilling, Leiterin des Schlaflabors am ZI.
Etwa die Hälfte der Post-COVID-Gruppe erfüllte zusätzlich die Kriterien für ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom). In einer Subgruppenanalyse zeigten diese Teilnehmenden ähnliche Stoffwechselveränderungen wie Post-COVID-Betroffene ohne ME/CFS. Das kann darauf hinweisen, dass bestimmte biologische Mechanismen in beiden Patientengruppen eine Rolle spielen.
Die Forschenden betonen, dass das Studiendesign keine kausalen Schlussfolgerungen zulässt. Als mögliche Ursachen diskutiert das Team unter anderem eine veränderte Funktion von Mitochondrien („Kraftwerke der Zellen“), entzündliche Stoffwechselveränderungen oder durchblutungsbedingte Einflüsse auf den Energiestoffwechsel.
„Solche biologischen Hinweise können helfen, Post-COVID besser zu verstehen und zukünftige, gezieltere Therapieansätze zu entwickeln“, sagt Dr. Claudia Schilling.
Quelle: DZPG
Erstmals kamen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung beim DZG Lower Saxony Day in Hannover zusammen. Das Event bot Kardiologen, Infektiologen, Lungenforschenden sowie Expertinnen und Experten für neurodegenerative Erkrankungen und für Kinder- und Jugendgesundheit die Möglichkeit zum fachübergreifenden Austausch und sich regional zu vernetzen.
Über 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Forschungs- und Fördereinrichtungen sprachen am 17. April 2026 im Medical Park Hannover darüber, wie es gelingen kann, medizinische Innovationen schneller in die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu bringen. Als DZG waren vertreten:
In seinem Grußwort betonte der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Falko Mohrs die Bedeutung der DZG für die biomedizinische Forschung in Niedersachsen und unterstrich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft ist, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnell zum Wohle von Patientinnen und Patienten in die klinische Anwendung zu bringen.
Dr. Georg Schütte von der VolkswagenStiftung sprach aus persönlicher Perspektive von der Gründung der DZG aus seiner Zeit als Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, jetzt BMFTR) zu den Teilnehmenden und wurde zudem von Stefanie Dimmeler (amtierende DZG-Sprecherin) zitiert, die daran erinnerte, dass die DZG nicht dazu dienten, einfach mehr Fördermittel zur Verfügung zu stellen für das, was man schon immer gemacht habe. Die zentrale Aufgabe der DZG ist die translationale Forschung. Dass dies umgesetzt wird, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im nachfolgenden Programm eindrucksvoll gezeigt.
Im Fokus der Veranstaltung stand die engere wissenschaftliche Zusammenarbeit der DZG. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentierten in Vorträgen und Posterbeiträgen vielfältige und herausragende translationale Forschungsprojekte, lokale Forschungsschwerpunkte sowie neuste therapeutische und technologische Entwicklungen. Was die Translation von Forschungsergebnissen in neue Therapien zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität von Patientinnen und Patienten bedeutet, wurde eindrucksvoll anhand der persönlichen Perspektive von zwei Betroffenen verdeutlicht.
Darüber hinaus wurden Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen aus den DZG am Standort Niedersachsen gezeigt sowie DZG- und standortinterne Unterstützungsmöglichkeiten bei der Produktentwicklung und für Spin-offs vorgestellt.
8th DZG Dresden Day, 11. Mai 2026
4th DZG Munich Day, 29. Juli 2026
2nd DZG Heidelberg-Mannheim Day, 21. September 2026
1st DZG Berlin Day, 11. November 2026
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Das Bakterium Enterococcus faecium ist von Natur aus gegen viele gängige Antibiotika resistent. Bei diesem Bakterium wirkt sogar das Medikament Vancomycin nicht mehr, das oft eingesetzt wird, wenn andere Antibiotika versagen. Die Rede ist dann vom Vancomycin-resistenten Enterococcus faecium, kurz VRE. Im Klinikalltag fehlt bisher ein unkomplizierter und zuverlässiger Schnelltest. Das möchte ein Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) nun ändern.
Solange Enterokokken im menschlichen Darm leben, sind die Bakterien im Grunde harmlos. Problematisch werden sie, wenn sie ihre natürliche Umgebung verlassen und in andere Körperbereiche gelangen, etwa in die Blutbahn, die Harnwege oder in Wunden. Dort können sie Infektionen auslösen, die besonders für ältere, schwer kranke oder immungeschwächte Menschen gefährlich sind.
In Krankenhäusern gehören VRE-Bakterien zu den häufigen Erregern von Infektionen. Sie gelten als besonders besorgniserregende Problemkeime, denn sie sind antibiotikaresistent. Selbst das Antibiotikum Vancomycin wirkt hier nicht. Schuld daran sind spezielle Enzymkomplexe der Bakterien: Sie heißen VanA und VanB und machen das Medikament unwirksam. Besonders kritisch ist der VanB Enzymkomplex, denn er wird in der Routinediagnostik oft nicht zuverlässig erkannt.
Die Idee von Dr. Alexander Klimka und Dr. Paul Higgins, beide Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene (IMMIH): Ein Antikörper-basierter VRE-Schnelltest, der die Expression von VanA und VanB zuverlässig nachweisen kann – und der sich in einem Standardlabor innerhalb der Uniklinik auswerten lässt.
Er soll dafür sorgen, dass Ärztinnen und Ärzte im Klinikalltag ohne große Umwege Klarheit haben, ob es sich um VRE-Bakterien handelt. Patientinnen und Patienten könnten so eine passendere Behandlung bekommen und es könnte verhindert werden, dass sich die Keime weiter ausbreiten.
Quelle: DZIF
Fibrosierende Lungenerkrankungen (auch „Interstitial Lung Diseases“; ILD, oder „Diffuse Parenchymal Lung Diseases“; DPLD) sind seltene Erkrankungen der Lunge, die sich durch eine Vielzahl auslösender Trigger (Stäube, Strahlung, akut-inflammatorische, rheumatische, medikamentöse Ursachen, idiopathisch), durch einen heterogenen Verlauf und am Ende vielfach durch eine zunehmende Vernarbung der Lunge kennzeichnen. Die betroffenen Patienten verspüren zunächst Luftnot unter Belastung und/oder einen trockenen Reizhusten. Mit zunehmender Schwere der Erkrankung nimmt die Luftnot dann zu und tritt bereits in Ruhe auf. Der Lebensradius nimmt erheblich ab und erlaubt im Endstadium nur noch minimale Belastungen. Die meisten Patienten sterben an den Folgen der Vernarbungen der Lunge, oft in Form von akuten Exazerbationen, die eine stationäre Behandlung notwendig machen.
Eine prototypische ILD-Erkrankung ist die Idiopathische Pulmonale Fibrose (IPF), die innerhalb der ILDs relativ häufig auftritt, sehr aggressiv verläuft, und deren Ursache hochwahrscheinlich im teils genetisch fixierten, teils durch Kontakt mit schädlichen Umwelteinflüssen bedingten, überschießenden, programmierten Zelltod der alveolären Epithelzellen Typ II (AEC2), den Deckzellen der Lungenbläschen, liegt. In den letzten 10 Jahren konnten für diese Art der Erkrankung drei antifibrotische Medikamente (Nintedanib, Pirfenidon und zuletzt Nerandomilast) erfolgreich klinisch überprüft werden. Allerdings sind diese Medikamente nicht in der Lage, das Voranschreiten der Erkrankung komplett zu stoppen, so dass für ausgesuchte Patienten die Lungentransplantation den einzigen kurativen Ansatz darstellt.
Diese Erkrankungen werden seit vielen Jahren intensiv am Zentrum für Interstitielle und Seltene Lungenerkrankungen der Justus-Liebig-Universität Gießen erforscht. Andreas Günther, Professor für Medizin und wissenschaftlicher Leiter des DZL-Krankheitsbereichs DPLD, sowie die DZL-Wissenschaftlerin Poornima Mahavadi sind die Letztautoren einer internationalen Studie, die im Journal Signal Transduction and Targeted Therapy veröffentlicht wurde. Die Studie wurde im Rahmen der Doktorarbeit von Bhavika Brahmanand Katariya in Zusammenarbeit mit weiteren DZL-Kolleg:innen der Standorte UGMLC und BREATH durchgeführt.
In der Studie wurde die Rolle eines RNA-bindenden Proteins namens „Fused in Sarcoma“ (FUS) bei der Lungenfibrose untersucht. FUS bindet RNA und beeinflusst deren Stabilität sowie die Aktivität der durch diese RNA kodierten Signalwege. Wie die Giessener Wissenschaftler:innen herausfanden, ist der zytoplasmatische Gehalt von FUS bei Patienten mit IPF deutlich erhöht. In Lungenfibroblasten bewirkte die Überexpression von FUS eine Verstärkung der Vernarbungsreaktionen, während ein Knockdown, also das Ausschalten des Gens, diese unterdrückte – vor allem die Proliferation der für die Vernarbung verantwortlichen Bindegewebszellen (Fibroblasten). Auch die Wirkung der beiden zugelassenen antifibrotischen Medikamente Nintedanib und Pirfenidon ist zumindest teilweise FUS-abhängig.
Durch hochmoderne, Genom-weite Analyseverfahren (CLIP-seq) konnten in IPF Lungenfibroblasten die durch FUS gebundene RNA und die durch diese regulierten Signalwege identifiziert werden. Hierunter waren etliche, die bekanntermaßen an der Vernarbungsreaktion beteiligt sind (z.B. Kollagene, TGF-b).
Unter Nutzung eines aktuell bereits in der klinischen Überprüfung bei ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) Patienten stehenden Antisense Oligonukleotides ION363 konnten dann sowohl in IPF Fibroblasten, als auch in vitalem IPF Gewebe in 3D Kulturen, sogenannten high precision cut lung slices (PCLS), eine Unterdrückung des FUS Gehaltes und eine Reduktion profibrotischer Signalwege therapeutisch erzwungen werden. Interessanterweise konnte ebenfalls beobachtet werden, dass eine solche Runterregulation von FUS zusätzlich auch eine Re-Etablierung physiologischer Stoffwechselprozesse und -aufgaben in den alveolären Epithelzellen Typ II (AEC2) induziert, hier vor allem eine Normalisierung der Synthese des oberflächenaktiven Lipoproteinkomplexes namens „Surfactant“, der die Atmung unter normalen Druckverhältnissen im Brustkorb grundsätzlich ermöglicht. Schließlich konnte ebenfalls gezeigt werden, dass die ION363 vermittelte Runterregulation von FUS zu einer Verbesserung der regenerativen Kapazität des Alveolarepithels führte; dies wurde in einem in vitro Organoid-Assay (Alveolosphären-Assay) unter Verwendung von isolierten AEC2 von IPF Patienten ermittelt.
Laut Prof Günther sind die nun im Nature Journal publizierten Ergebnisse von außerordentlicher Bedeutung. Es wird zum ersten Mal nicht nur ein antifibrotisches, sondern auch ein epithel-protektives bzw. regeneratives Therapieprinzip erfolgreich präklinisch getestet und etabliert. Privatdozentin Frau Dr. Mahavadi ergänzt, dass die konsequente Nutzung von humanem, kultivierten Lungengewebe und isolierten Zellen von Patienten mit IPF – wie hier geschehen – hoffen lässt, dass sich die Übertragbarkeit solcher präklinischen Ergebnisse auf die Situation am Patienten verbessern lässt und zukünftig mehr klinische Studien erfolgreich sind als bis dato.
Quelle: DZL
Ein internationales Forschungsteam um das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) hat eine neue Methode entwickelt, mit der häufige Hirntumore bei Kindern und Jugendlichen künftig möglicherweise ohne operative Gewebeentnahme diagnostiziert werden können. Bisher konnten sogenannte Flüssigbiopsien keine derart zuverlässige Diagnostik ermöglichen.
Um die passende Therapie für eine Tumorerkrankung zu finden, muss in aller Regel eine Gewebeprobe entnommen und analysiert werden. Das kann insbesondere bei Hirntumoren eine Herausforderung darstellen. „Gerade bei Kindern, bei denen sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet, möchte man solche Eingriffe zukünftig auf ein Minimum reduzieren“, sagt Kristian Pajtler, Forschungsgruppenleiter am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg, dem Deutschen Krebsforschungszentrum und Kinderonkologe an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg des Universitätsklinikums Heidelberg.
Das Forschungsteam entwickelte eine KI-basierte Analyse von Flüssigbiopsien. Statt Tumorgewebe zu entnehmen, wird bei einer Flüssigbiopsie - je nach Krebsart - Blut, oder auch Hirnwasser für die Analyse entnommen. Blut oder Hirnwasser der Betroffenen enthalten u.a. zellfreie DNA der Krebszellen. Weil die Mengen dieser Tumor-DNA in den Proben jedoch sehr klein sind, ist es bisher noch nicht gelungen, damit eine zuverlässige Diagnostik von Hirntumoren zu etablieren.
„Bisher war eine molekulare Diagnostik anhand von Flüssigbiopsien zumeist weder bei Kindern noch bei Erwachsenen mit Hirntumoren eine Option. Wegen der Blut-Hirnschranke gelangt die DNA von Hirntumoren kaum ins Blut und auch im Hirnwasser findet man nur sehr wenig Erbmaterial“, erklärt Kendra Maaß, Forschungsgruppenleiterin am Hopp-Kindertumorzentrum und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg.
Die Forschenden kombinierte deshalb eine besonders empfindliche Methode zur Analyse von DNA mit einer KI-basierten Auswertung namens „M-PACT“. Diese künstliche Intelligenz erkennt typische Muster im Tumor-Erbgut. Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte DNA-Methylierungen. Das sind chemische Markierungen auf der DNA, die beeinflussen, wie Gene in einer Zelle aktiv sind. Verschiedene Tumorarten besitzen unterschiedliche Muster dieser Markierungen, die wie ein genetischer Fingerabdruck genutzt werden können.
„Der Algorithmus kann außerdem sehr genaue Angaben zur Tumorlast machen und eignet sich daher auch für ein Monitoring des Krankheitsverlaufs“, sagt Maaß. „Zusätzlich zeigt die Methode an, welche anderen Zelltypen genetisches Material in den Liquor abgeben. Das kann beispielsweise zukünftig für Immuntherapien wichtig sein.“
In Tests mit über 200 Proben von Kindern mit verschiedenen Hirntumoren konnte das Verfahren die Tumorarten allein anhand der DNA im Hirnwasser zuverlässig unterscheiden. „Mit unserem Diagnostikverfahren ließen sich künftig einige der operativen Eingriffe zur Gewebeentnahme möglicherweise vermeiden. Und man könnte damit Tumoren schon vor einer Operation genau diagnostizieren, um so schnell wie möglich eine passende Therapie zu empfehlen“, so Pajtler.
Bis die Methode im klinischen Alltag eingesetzt werden kann, werden jedoch noch weitere Daten benötigt. Die Forschenden hoffen deshalb, dass viele internationale Expertinnen und Experten die frei zugängliche KI jetzt im Rahmen ihrer Forschung nutzen, um ihre Flüssigbiospie-Daten zu analysieren.
Für die eigentliche Behandlung werden Tumor-Operationen jedoch weiterhin ein wichtiges Standbein der Krebstherapie bleiben.
Quelle: DKTK
Eines der frühesten Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigt sich tief in den kleinsten Blutgefäßen: winzige Veränderungen in deren Fähigkeit, sich zu erweitern und zusammenzuziehen, bekannt als mikrovaskuläre Endothel-Funktionseinschränkung (MiVED). Bislang war es kaum möglich, diese Veränderungen beim Menschen zu erkennen oder zu messen. Wissenschaftler:innen von Helmholtz Munich und der Technischen Universität München (TUM), Mitgliedseinrichtungen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), haben dafür eine Lösung entwickelt: fast-RSOM.
Die neue Technik nutzt Lichtimpulse, die Ultraschall erzeugen, um extrem detailreiche 3D-Bilder der Haut und der kleinsten Blutgefäße zu erstellen. So lassen sich frühzeitig Veränderungen erkennen, die herkömmliche Methoden unsichtbar lassen.
„Mit fast-RSOM ist es uns erstmals gelungen, die Endothelfunktion beim Menschen nicht-invasiv mit Auflösung einzelner Kapillaren und Hautschichten zu erfassen“, sagt Dr. Hailong He, Erstautor der Studie und Forscher am Institut für Biologische und Medizinische Bildgebung bei Helmholtz Munich und der TUM. Dr. Angelos Karlas, Ko-Erstautor, Gefäßchirurg und Senior Wissenschaftler am TUM Klinikum, ergänzt: „Unser neuartiger Ansatz eröffnet einen bislang unerreichten Einblick darin, wie sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf mikrovaskulärer Ebene entwickeln.“
Bisher hatten Ärzt:innen keine präzise und nicht-invasive Möglichkeit, diese frühen Veränderungen beim Menschen zu erkennen oder zu messen. Fast-RSOM kann die Herzgesundheit auf mehreren Ebenen unterstützen. Es liefert Hinweise auf ein erhöhtes Risiko, noch bevor Beschwerden auftreten, hilft dabei, Lebensstil oder Therapien gezielter anzupassen und ermöglicht zu kontrollieren, ob Präventionsmaßnahmen oder Behandlungen wirken.
Das Forschungsteam will fast-RSOM nun in größeren und vielfältigeren Patientengruppen prüfen und die hochauflösenden MiVED-Biomarker, die fast-RSOM liefert, in den klinischen Alltag einbinden. Das Gerät ist tragbar, schnell einsetzbar und nicht-invasiv , wodurch es zukünftig in Kliniken und Arztpraxen genutzt werden könnte, um bei Patient:innen regelmäßig das Herz-Kreislauf-Risiko einzuschätzen und die Herzgesundheit zu überwachen.
RSOM (Raster-Scan-Optoakustische Mesoskopie) ist eine nicht-invasive Bildgebungstechnologie, die Lichtimpulse nutzt, um Ultraschallsignale zu erzeugen und hochdetaillierte 3D-Bilder von Strukturen unter der Haut zu erstellen. Sie kann winzige Veränderungen in Blutgefäßen, Sauerstoffgehalt und Gewebezusammensetzung erkennen, die für herkömmliche Bildgebung unsichtbar sind. Durch die Kombination von hohem Kontrast und Eindringtiefe ermöglicht RSOM die Früherkennung von Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen und Diabetes. Das kompakte Design könnte fortschrittliche Diagnostik außerhalb spezialisierter Labore zugänglicher machen. Die Technologie wurde vom Team unter Leitung von Prof. Vasilis Ntziachristos entwickelt. Er ist Principal Investigator am DZHK, Direktor des Bioengineering Center bei Helmholtz Munich und Professor für Biologische Bildgebung an der TUM.
Quelle: DZHK
Forschende am Standort Mannheim-Heidelberg-Ulm des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) haben in der NAKO-Gesundheitsstudie einen Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und dem Auftreten von Depressionen nachgewiesen. Die Untersuchung zeigt: Aktuelle und ehemalige Rauchende leiden häufiger an Depressionen als Menschen, die nie geraucht haben. Zugleich belegt die Studie die positive Wirkung eines Rauchstopps auf die psychische Gesundheit.
Für die Analyse wurden Daten von 173.890 Personen im Alter zwischen 19 und 72 Jahren ausgewertet, darunter 50 Prozent Frauen. Die Teilnehmenden gaben in Interviews und standardisierten Fragebögen Auskunft über ärztlich diagnostizierte Depressionen, aktuelle depressive Symptome sowie ihr Rauchverhalten. Dabei teilten sich die Teilnehmenden in drei Gruppen: 81.775 hatten nie geraucht, 58.004 waren ehemalige und 34.111 aktuelle Rauchende.
„Obwohl der Zusammenhang zwischen Rauchen und Depressionen bereits gut belegt ist, sind die Mechanismen des Zusammenspiels nach wie vor unzureichend bekannt. Wir haben in unserer Studie daher insbesondere die Dosis-Wirkungs-Beziehungen und zeitlichen Faktoren wie das Alter bei Beginn und die Zeit seit der Rauchentwöhnung untersucht“, erklärt Maja Völker, Doktorandin der Abteilung Genetische Epidemiologie in der Psychiatrie am ZI.
Die Ergebnisse zeigen eindeutige dosisabhängige Effekte: Je mehr Zigaretten täglich konsumiert wurden, desto ausgeprägter waren die aktuellen depressiven Symptome (0,05 Symptome mehr pro zusätzlicher Zigarette). Auch das Einstiegsalter spielt eine Rolle: Ein späterer Beginn des Rauchens ging mit einem späteren Auftreten der ersten Depression einher (0,24 Jahre pro Jahr späterem Rauchbeginn).
Besonders deutlich traten die Unterschiede zwischen Rauchenden und Nie-Rauchenden in der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen zutage. „Das weist darauf hin, dass neben sozialen Faktoren auch zeitliche Effekte eine Rolle im Zusammenspiel von Rauchen und psychischer Gesundheit spielen könnten", sagt Carolin Marie Callies, Doktorandin am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie der Universität Mannheim.
Eine zentrale Erkenntnis der Studie: Je länger ein Rauchstopp zurücklag, desto länger lag auch die letzte depressive Episode zurück (0,17 Jahre pro Jahr Rauchabstinenz). „Unsere Beobachtungen unterstreichen, wie wichtig es ist, den Einstieg ins Rauchen zu verhindern und die Entwöhnung zu fördern, um die psychische Gesundheit zu verbessern.
Besonders hervorzuheben sind in dieser Hinsicht die dosisabhängigen Auswirkungen des Rauchverhaltens: Ein höherer Zigarettenkonsum ging nach unserer Auswertung mit schwereren depressiven Symptomen einher, während ein längerer Zeitraum seit dem Rauchstopp mit besseren Depressionswerten verbunden war", betont Dr. Fabian Streit, DZPG-Wissenschaftler am Hector Institut für Künstliche Intelligenz in der Psychiatrie am ZI.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass das Querschnittsdesign der Studie keine kausalen Schlussfolgerungen zulässt. Zukünftige Längsschnittanalysen sowie die Integration genetischer und bildgebender Daten sollen zum Verständnis der Mechanismen und möglicher Kausalzusammenhänge beitragen.
Quelle: DZPG
Erstmals belegt eine internationale Analyse: Wenn Menschen mit Prädiabetes ihren Blutglukosewert durch Lebensstiländerung wieder in den Normalbereich bringen, halbiert sich ihr Risiko für Herzinfarkt, Herzschwäche und frühen Tod. Diese Erkenntnis könnte die Prävention revolutionieren – und ein neues, messbares Ziel für die Leitlinien etablieren. An der Studie waren Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), des Universitätsklinikums Tübingen und Helmholtz Munich beteiligt.
Millionen Menschen in Deutschland leben mit erhöhten Blutglukosewerten, ohne es zu wissen. Sie gelten damit als „prädiabetisch“ – ein Frühstadium, das bislang ohne klar definiertes Therapieziel blieb. Menschen mit Prädiabetes erhalten in der Regel die Empfehlung, Gewicht zu verlieren, sich mehr zu bewegen und sich gesünder zu ernähren. Diese Lebensstiländerungen sind sinnvoll: Sie verbessern Fitness, Wohlbefinden und verschiedene Risikofaktoren. Doch eine entscheidende Frage blieb bislang offen: Schützen sie das Herz auch langfristig? Bisher konnte kein Lebensstilprogramm für Menschen mit Prädiabetes überzeugend zeigen, dass es Herzinfarkte, Herzschwäche oder kardiovaskuläre Todesfälle über Jahrzehnte hinweg nachhaltig reduziert.
Eine gemeinsame Auswertung zweier der weltweit größten Diabetespräventionsstudien – aus den USA und China – bringt nun Klarheit. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus den USA und China konnten Forschende des DZD, des Universitätsklinikums Tübingen und von Helmholtz Munich zeigen: Entscheidend ist offenbar nicht die Lebensstiländerung an sich, sondern ob es Menschen mit Prädiabetes gelingt, dadurch ihre Blutglukosewerte wieder in den Normalbereich zu bringen – mit anderen Worten, ob sie eine Remission des Prädiabetes erreichen.
Die Langzeitdaten von mehr als 2.400 Menschen mit Prädiabetes belegen: Menschen, denen es gelingt, ihren Blutglukosewert zu normalisieren, haben ein deutlich geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben oder wegen Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, als diejenigen, deren Glukosewerte erhöht bleiben – selbst dann, wenn beide Gruppen in ähnlichem Ausmaß an Gewicht verlieren.
In beiden Studien war für die Teilnehmenden das Risiko kardiovaskulärer Todesfälle um rund 50 % geringer, auch die Sterblichkeit insgesamt sank signifikant. Die amerikanische Studie beobachtete ihre Probanden über einen Zeitraum von 20 Jahren, ihr chinesisches Pendant sogar über 30 Jahre. Unter Führung des Tübinger Teams wurden diese Datensätze harmonisiert und erneut ausgewertet, um Raten von kardiovaskulärem Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz bei Personen mit und ohne Prädiabetes-Remission zu vergleichen.
Bisher stützt sich die Herz-Kreislauf-Prävention auf drei Säulen: Blutdruckkontrolle, Senkung des LDL-Cholesterins und Rauchstopp. Mit den neuen Erkenntnissen könnte ein vierter Pfeiler hinzukommen: die nachhaltige Normalisierung der Blutglukose bei Prädiabetes. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Remission des Prädiabetes nicht nur – wie bereits bekannt – den Ausbruch eines Typ-2-Diabetes verzögert oder verhindert, sondern Menschen auch langfristig vor schweren Herzkreislauferkrankungen schützt – und zwar über Jahrzehnte hinweg“, sagt Prof. Dr. Andreas Birkenfeld, Vorstandsmitglied des DZD und Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik IV am Universitätsklinikum Tübingen. Ein nüchterner Blutglukosewert von ≤ 97 mg/dl erwies sich als einfacher Marker für ein dauerhaft geringeres Herzrisiko – unabhängig von Alter, Gewicht oder ethnischer Herkunft. Diese Schwelle könnte weltweit in der Hausarztpraxis Anwendung finden und so die Prävention greifbarer machen.
Deutschland hinkt bei präventiver Gesundheitsversorgung hinterher. Laut dem aktuellen Public Health Index belegt das Land den vorletzten Platz von 18 untersuchten europäischen Ländern bei der Umsetzung wissenschaftlich fundierter Präventionsmaßnahmen. Dies hat zur Folge, dass das Risiko in Deutschland an einer Herzkreislauf-Erkrankung zu versterben signifikant erhöht ist im Vergleich mit europäischen Nachbarn.
Die neue Studie zeigt, welches Potenzial ungenutzt bleibt – und wie konkrete Zielwerte die öffentliche Gesundheit entscheidend verbessern können. „Wir sehen ein klares therapeutisches Fenster: Wenn die Glukosewerte bereits im Stadium des Prädiabetes normalisiert werden, kann das langfristige Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und vorzeitigen Tod deutlich reduziert werden. Unsere Daten sprechen dafür, Remission ausdrücklich als primäres Therapieziel in Leitlinien zur Prävention von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verankern“, appelliert Prof. Dr. Birkenfeld.
QUELLE: DZD
Für viele Menschen mit Demenz ist es ein großer Wunsch: so lange wie möglich zuhause leben. Doch die Betreuung kann komplex sein: Medikamente werden nicht immer wie verordnet eingenommen, ambulante Pflegeangebote bleiben ungenutzt oder es fehlt an Unterstützung im Haushalt und beim Transport zu Arztterminen. Hier setzt das vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) entwickelte „Dementia Care Management“ an: Speziell geschulte Pflegefachkräfte unterstützen Betroffene und ihre Angehörigen nicht nur bei Organisation und Pflege – erstmals dürfen sie bei Bedarf medizinische Aufgaben übernehmen, die sonst Ärzt:innen vorbehalten sind. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) empfiehlt, Ansätze aus dem Dementia Care Management in die Regelversorgung einzuführen.
Den Nutzen des Dementia Care Managements (DCM) belegt eine Studie namens InDePendent mit über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Hessen.
„Das positive Votum aus dem G-BA gibt diesem Versorgungskonzept nun weiteren Rückenwind. Wir setzen uns sehr dafür ein, dass das Dementia Care Management in die Praxis kommt“, so Prof. Wolfgang Hoffmann, Versorgungsforscher am DZNE-Standort Rostock/Greifswald.
In der Studie erprobten die Wissenschaftler erstmals, was es bedeutet, wenn die Dementia Care Manager nach staatlicher Prüfung medizinische Befugnisse hatten, die sonst ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten sind. Dazu zählt zum Beispiel Injektionen zu verabreichen, Pflegehilfsmittel zu verordnen sowie komplexe Wunden zu versorgen. Die Dementia Care Manager machten das in enger Abstimmung mit den behandelnden Hausärztinnen und Hausärzten. „Zugleich wurden die zugehörigen Hausärztinnen und Hausärzte wirksam entlastet, weil diese in der Regel nur sehr begrenzte Kapazitäten für Hausbesuche haben“, erklärt Dr. Anika Rädke, Forscherin am DZNE und Erstautorin der Fachveröffentlichung zur aktuellen Studie.
Aus Sicht der Krankenkassen war die Betreuung im Rahmen des Dementia Care Managements zwar zunächst mit höheren Kosten verbunden als die Regelversorgung – die Evaluation zeigt jedoch, dass das Konzept insgesamt kosteneffektiv ist. „Man muss die Einsparungen mitberücksichtigen. Denn Dementia Care Management hilft, Kosten zu vermeiden“, so Wolfgang Hoffmann. „Wenn die Care Manager heilkundliche Aufgaben ausführen, statt der Ärztinnen und Ärzte, dann ist das wirtschaftlich günstiger. Außerdem trägt die bessere pflegerische Versorgung zum allgemeinen Gesundheitszustand bei. Dadurch werden Behandlungskosten vermieden, die sonst langfristig zu erwarten sind. Unsere aktuellen Befunde und Langzeitdaten aus Vorgängerprojekten belegen, dass das Dementia Care Management, insgesamt gesehen, kosteneffektiv ist.“
Langzeitdaten aus früheren Projekten belegen darüber hinaus, dass das Dementia Care Management dazu beiträgt, einen Umzug ins Pflegeheim hinauszuzögern – ganz im Sinne vieler Betroffener, die möglichst lange selbstbestimmt zu Hause leben möchten.
Der Nutzen ist damit wissenschaftlich belegt, die Übernahme in die Regelversorgung ausdrücklich empfohlen. Die Verantwortlichen der Greifswalder Studie hoffen nun, dass aus dem erfolgreichen Versorgungskonzept eine erstattungsfähige Leistung wird, die künftig von den Krankenkassen übernommen wird – und damit vielen Menschen mit Demenz dauerhaft zugutekommt.
Quelle: DZNE
Wie wird die Medizin der Zukunft aussehen? Dieser Frage widmet sich das Wissenschaftsjahr 2026. Eröffnet wird es am 20. Januar mit einer Auftaktveranstaltung in Berlin, an der auch die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) beteiligt sind. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, die „Medizin der Zukunft“ kennenzulernen.
Mit dem Wissenschaftsjahr macht das Bundesforschungsministerium jedes Jahr ein Zukunftsthema aus der Forschung für alle Bürgerinnen und Bürger erlebbar und zeigt, wie Forschung unseren Alltag von morgen prägen wird. Im aktuellen Wissenschaftsjahr stehen unter anderem die Themen Pflege & Robotik, psychische Gesundheit, Krebsprävention, Gehirngesundheit und digitale Medizin im Mittelpunkt.
Wenn am 20. Januar der Startschuss für das Wissenschaftsjahr fällt, sind die DZG vertreten mit Vorträgen, Exponaten und interaktiven Formaten zu psychischer Gesundheit und Neurologie.
Wann: 20. Januar | Einlass: 17:00 Uhr | Ende: 20:00 Uhr
Wo: Futurium, Alexanderufer 2, 10117 Berlin
Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Programm (17:30–19:00 Uhr):
Anschließend: Get-together und individueller Besuch der Ausstellung sowie Führungen durch die Futuriums-Ausstellung.
Wie tickt das Immunsystem bei Tuberkulose (TB), wenn die Infektion mit dem Bakterium Mycobacterium tuberculosis Organe außerhalb der Lunge befällt? Diese Form der Erkrankung – die sogenannte extrapulmonale Tuberkulose (EPTB) – betrifft weltweit bis zu ein Drittel aller TB-Patientinnen und Patienten. Sie kann Organe wie Lymphknoten, Knochen oder sogar das Gehirn befallen. Forschende haben nun die immunologischen Eigenschaften der EPTB im Blut von betroffenen Patientinnen und Patienten entschlüsselt.
Die Diagnose von extrapulmonaler Tuberkulose ist oft schwierig, weil die Erreger nicht wie bei Lungentuberkulose durch eine Probe aus den Atemwegen nachgewiesen werden können. Häufig ist dafür eine Gewebepunktion nötig.
Ein Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), der Uniklinik Köln und des LIMES-Instituts der Universität Bonn hat erstmals detaillierte immunologische Muster im Blut von EPTB-Betroffenen entschlüsselt. Die Ergebnisse sind im renommierten Fachjournal Nature Communications erschienen.
Die Forschenden nutzten eine Kombination moderner Multi-Omics-Methoden, mit denen Gene, Proteine und weitere zelluläre Informationen gleichzeitig analysiert werden können, um die immunologischen Vorgänge zu verstehen. Unter anderem kam die Einzelzell-RNA-Sequenzierung zum Einsatz, die aufzeigt, welche Gene in einzelnen Immunzellen aktiv sind und welche Kommunikationswege das Immunsystem nutzt, um Entzündungen zu steuern und Krankheitserreger zu bekämpfen.
Die Analyse ergab drei klar unterscheidbare Immunotypen – also verschiedene Muster der Immunreaktion auf die Infektion reagiert. Diese Muster stehen im Zusammenhang mit unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Besonders auffällig waren bestimmte Signalwege, beispielsweise die von Interferon und Interleukin-1, welche die Abwehr von Krankheitserregern durch Zellen aktivieren. Außerdem wurde eine Aktivierung von T-Zellen und Natürlichen Killerzellen beobachtet, die direkt infizierte Zellen bekämpfen. Die Erkenntnis, dass EPTB nicht nur ein einheitliches Krankheitsbild ist, sondern unterschiedliche Immunprofile umfasst, eröffnet neue Möglichkeiten für individuell zugeschnittene Therapien.
Darüber hinaus entdeckte das Team erstmals bestimmte Blut-Biomarker – also messbare Hinweise im Blut –, die dabei helfen, zwischen extrapulmonaler und pulmonaler Tuberkulose zuverlässig zu unterscheiden. Das bedeutet: Statt riskanter und schmerzhafter Gewebeprobenentnahmen könnte in Zukunft eine einfache Blutuntersuchung ausreichen, um EPTB zu erkennen. So würde die Diagnose deutlich sicherer, schneller und schonender – und die Versorgung vieler Patientinnen und Patienten erheblich verbessert.
Quelle: DZIF
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